Der Jensen SP (für "Six Pack", also drei Doppelvergaser) gilt als das leistungsstärkste Auto, das jemals von Jensen Motors angeboten wurde. Tatsächlich gehörte der Jensen SP bei seiner Premiere im August 1971 zu den stärksten Straßenautos auf der Welt. Doch in gewisser Weise drehte das Auto mit seinem Motor die Zeit etwas zurück, denn 1971 war aufgrund der amerikanischen Emissionsvorschriften das Verdichtungsverhältnis der Motoren erheblich reduziert worden, was einen erheblichen Leistungsverlust der Chryslermotoren zur Folge hatte. So war es in den USA bereits zum Produktionsbeginn nicht mehr erlaubt die Six-Pack-Maschine in Neuwagen einzubauen. Die Motoren wurden zwar 1972 noch in den Katalogen des Motorenlieferanten Mopar verzeichnet, verschwanden aber schnell, nachdem sie die Abgastests nicht bestanden hatten.

Abb.1: 132/5577, einer der seltenen LHD-SP
Die Vorstellung des SP kam mit dem Ende des FF zusammen. Als Kjell Qvale Jensen 1970 übernahm, beschloss er keine Mittel mehr in das Allradprojekt zu stecken. Er wollte sich lieber auf die Entwicklung eines Großserien-Sportwagens für den amerikanischen Markt konzentrieren. Also wurde der FF eingestellt, die Entwicklung eines neuen Topmodells jedoch wurde vorangetrieben. Diese hatte 1970 begonnen, als man einen Interceptor II mit einem 440ci-Six-Pack-Motor ausstattete. Nachdem die Entwicklung des SP abgeschlossen war, wurde dieses Fahrgestell verlängert und für die Entwicklung des F-Type eingesetzt, den geplanten aber frühzeitig verworfenen Nachfolger des Interceptors. In dieser Ausführung wurde das Auto gerne als "Big Bertha" bezeichnet. In einer außergewöhnlichen Geste übergab Qvale dieses Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 123/3917 beim Zusammenbruch der Firma im Jahr 1976 dem Chefingenieur Brian Spicer als Dank für seine hervorragende Arbeit.

Zum Produktionsstart erhielt der SP die exklusiven blauen Jensenlabels auf der Motorhaube und an den Felgen, die zuvor dem FF vorbehalten waren, während der normale Interceptor stets rot hinterlegte Markenzeichen trug. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist der blaue SP-Schriftzug am Kühlergrill. Besonders auffallend sind jedoch die vier Lüftungsschlitze auf der Motorhaube, die eine bessere Wärmeabfuhr ermöglichen sollten. Im Vergleich zu den später als kostenlose Option angebotenen Lüftungsschlitze bei den normalen Interceptor Modellen, sind sie deutlich länger. Darüber hinaus wurden die meisten Fahrzeuge mit einem Vinyldach ausgeliefert. Ein Extra, das jedoch auch viele Interceptor III erhielten.

1971 verdichteten die 383ci-Motoren der G-Serie, die in Interceptors verwendet wurden, mit einem Verhältnis von 8,7:1, was zu einer Leistung von 300PS führte. Zum Vergleich: Die 440ci-Motoren der G- und H-Serie im SP lieferten mit einem Verdichtungsverhältnis von 10,3:1 eine Lsitung von 385PS bei 4700 U/min.
Abb.2: Die drei Doppelvergaser
Die Motoren hatten aber auch einen Nachteil: Dieser lag in der geringeren Zuverlässigkeit und im Alltagsgebrauch. Der SP benötigt eine regelmäßige exakte Abstimmung und einen erfahrenen Fahrer. Doch viele SP-Eigner akzeptierten nicht, dass ihr neues Auto rauchte, Fehlzündungen hatte oder einfach liegen blieb und sich nicht mehr starten ließ.

Im normalen Fahrzustand war nur der mittlere Vergaser im Einsatz. Er reichte aus, genug Kraftstoff für flottes Gleiten und eine ausreichende Beschleunigung bereitzustellen. Die drei Vergaser waren auch nicht identisch. Während die mittlere Einheit auf einen Luftdurchsatz von 300cfm (510 m³/h) ausgelegt war, erlaubten die beiden äußeren 500cfm (850 m³/h). Sie waren vakuumgesteuert und öffneten nur, wenn die mittlere Einheit eine bestimmte vorgewählte Luftmenge erreichte. Außerdem konnte sie nur in der Drosselklappenposition des mittleren geöffnet werden, so dass sie auch ohne einen zusätzlichen Druck des Gaspedals zum Einsatz kommen konnten.

Der Übergang sollte spät und langsam erfolgen. So wurde die Öffnung der Zusatzvergaser durch die Motordrehzahl und den Öffnungsgrad gesteuert, um einen möglichst weichen Wechsel zu ermöglich. In der Praxis schießt der SP auch bei hoher Geschwindigkeit mit einer atemberaubenden Beschleunigung vorwärts, wenn das Six Pack zum Einsatz kommt. Etwas knifflig war jedoch, dass das Auto teilweise weiter beschleunigte,
Abb.3: Der enge Motorraum des SP
auch wenn der Fahrer Gas weggenommen hatte: Die Zusatzvergaser konnten sich öffnen, wenn der Motor bei konstanter Bergauffahrt mehr Luft brauchte, was dann zu einer dramatischen Bergrennen wurde. Wenn der Fahrer einmal wusste, was ihn erwartete, wenn er also die richtige Fahrtechnik erlernt hatte, stellte der SP in aufregender Weise Leistung im Überschuss zur Verfügung. Und das sogar bei zumindest im Vergleich zum normalen Interceptor günstigen Verbrauchswerten. 15,5 - 17,5 l/100km lagen bei zurückhaltender Fahrweise durchaus im Bereich des Möglichen.

So unglaublich der SP war, wenn er gut lief, so zickig konnte er sein, wenn er nicht lief. Infolge dessen kam er häufig in Hände, die nicht damit umzugehen wussten. Die Fehleranfälligkeit der Konstruktion führte dazu, dass viele Fahrzeuge von genervten Besitzern in die Standardausführung umgebaut wurden. Auch Jensen bot einen solchen Umbau jenen Kunden an, die sonst nicht mit dem Auto zurechtkamen. Bei dem Umbau blieben die übrigen Modifikationen erhalten, so dass die Maschinen auch mit dem Vierfachvergaser leistungsfähige Motoren blieben.

Glücklicherweise sind heute noch alle Teile verfügbar um einen SP wieder in den Originalzustand zu versetzen, unabhängig davon, was auch immer für Modifikationen vorgenommen wurden. Bei diesem Vorhaben sollte man jedoch das heute angebotene Benzin berücksichtigen. Durch die verringerten Oktanzahlen und bleifreies Benzin erfordern eine besondere Rücksicht bei der Restaurierung eines der seltenen SP Modelle. Insgesamt wurden nur 232 Fahrzeuge gebaut, die vor allem in Großbritannien verkauft wurden, was auch die geringe Zahl von nur 13 Linkslenkern zeigt. Selbst wenn der SP möglicherweise ursprünglich als Fahrzeug vor allem für den amerikanischen Exportmarkt gedacht war, machten die strengen Abgasgesetze, die ab den frühen Siebzigern in den USA erlassen wurden, den SP zu einem Auto, das vor allem auf der Insel anzutreffen ist.

Der Text basiert auf einem englischen Text von Richard Calver (Jensen History). Herzlichen Dank.
Quellen der Bilder: Richard Calver (Abb.1), www.stripmasterspor15.com (Abb.2, Abb.3)