Der Interceptor II markiert in gewisser Weise den halben Weg der Evolution des Interceptors in der Weiterentwicklung des originalen italienischen Designs von 1966. Er wurde auf der Earls Court Motor Show 1969 vorgestellt und hatte eine Produktionszeit von zwei Jahren, bevor er im August 1971 mit dem Interceptor III einen Nachfolger bekam. Das letzte Fahrzeug rollte im September 1971 aus den Werkstoren, als bereits der Interceptor III in Produktion war.

Abb.1: 125/5394, einer der letzten Interceptor II
Der IIer wurde mit 1128 Exemplaren nur etwas häufiger gebaut als sein Vorgänger, wenn auch mit einer deutlich größeren Zahl linksgelenkter Fahrzeuge. Mit etwa zehn Autos pro Woche enstanden neben 694 Rechtslenkern 432 Linkslenker. Vor Produktionsbeginn wurden bereits zwei Prototypen gefertigt. Man könnte also vermuten, dass daher zumindest die rechtsgesteuerten Fahrzeuge seltener als die Vorgänger sind. Doch mit der Zeit scheinen sehr viel mehr Fahrzeuge der ersten Serie verschrottet worden zu sein, so dass diese wie die linksgesteuerten Fahrzeuge der ersten Serie bereits zu den absoluten automobilen Raritäten gehören.

Carl Duerr, der amerikanische Sanierer, der im jahr 1968 zu Jensen gekommen war, verließ das Unternehmen zu Beginn der Produktionszeit des Interceptor II. Der andere amerikanische Einfluss in der Geschichte der Marke, Kjell Qvale, war zu dieser Zeit bereits in den letzten Verhandlungen zum Kauf der Firma. Carl Duerr hatte keine andere Wahl, als das Unternehmen zu verlassen. Duerrs Abgang war ein Verlust für das Unternehmen: Während er niemals der Liebling des Managements war, so war er beliebt bei den Arbeitern und gab der Firma eine eigene Identität. Sein Führungsstil half den Umschwung zu meistern und vermittelte der Belegschaft den Stolz, der nach dem Ausscheiden der Jensenbrüder gefehlt hatte. Duerrs Nachfolger konnten seine Fußstapfen nicht wirklich ausfüllen und er verließ Jensen, wie er später sagte, mit einem Gefühl von Traurigkeit. Als Duerr Jensen verließ, nahm er
Abb.2: 125/5394, das neue Innenraumdesign
den ehemalige Demonstrationswagen, eine frühen LHD Interceptor II mit, den er als Erinnerung behielt. 1980 wurde er Mitglied des Jensen Owners Club in England und brachte sei Fahrzeug 1986 zurück nach West Bromwich für eine Vollrestauration. Der Interceptor II ist gewissermaßen Carl Duerrs Version des Modells, so wie der Interceptor I Kevin Beatties Auto war und wie der Interceptor III später Kjell Qvales Schöpfung werden sollte.

Eine andere Art der Annäherung an den Interceptor II ist der Weg über die Ausstattung. Einige vor allem technische Veränderungen waren bereits früher in die Produktion des Interceptor I eingeflossen. Dazu gehören neben einer Kugelgelenkaufhängung auch Radialreifen, Bremsen von Girling, die veränderte Hinterachsübersetzung von 2,88:1, Servolenkung (die gleiche wie im Jaguar XJ6) sowie eine stärkere Lichtmaschine. Die wichtigsten Neuerungen waren neben der optionalen Klimaanlage ein Armaturenbrett mit Prallflächen, das zur Erfüllung der Nordamerikanischen Vorschriften notwendig war, sowie verbesserter Sitze, die einige Inhaber als die komfortabelsten der verschiedenen Varianten empfinden. Auch die Stoßstangen und Rücklichter bekamen mit dem Interceptor II ein neues Design. Die vorderen Blinker waren nicht mehr oberhalb sondern unterhalb der Stoßstange. Das Erscheinungsbild war damit insgesamt deutlich morderner und entsprach eher dem Zeitgeist als der etwas altbackene Vorgänger. Die Zuverlässigkeit jedoch war in etwa auf dem Niveau des Vorgängers, sie war also nicht überzeugend. Während die linksgesteuerten US-Modelle relativ geringfügige Änderungen erfuhren, waren die RHD-Fahrzeuge stets individuell ausgestattet.

Abb.3: 125/5394, Heck des 71er Interceptor II
Wieder waren die Schönen und Reichen Käufer des Interceptor II, darunter der Sänger Dustin Springfield, der Schauspieler Tony Curtis sowie der Drummer der Band Led Zeppelin John Bonham. Auch die Lords Carrington und Strathcarron legten sich das neue Modell zu. Einige Fahrzeuge wurden auch an verschiedene Filmgesellschaften ausgeliehen und erschienen in Filmen wie "Mandrake", "Villain" und der TV Serie "The Protectors". Viele Jahre später wurde ein Interceptor II für die Todesszene in "The Meaning of Life" ausgewählt.

Die Fahrzeuge der zweiten Generation standen wie auch der Interceptor I stets im Schatten der späteren Autos, vor allem wegen der kleineren Motoren, den Rostyle Stahlfelgen und der Tatsache, dass auch der Interceptor II noch nicht das Grad an Ausgereiftheit besitzt wie sein Nachfolger. Doch auch der Interceptor II muss aus seiner Zeit heraus betrachtet werden und bietet beachtliche Leistungen. Selbst der Interceptor II die Spritzigkeit des Vorgängers nicht erreicht, so bieten die 383ci-Motoren in ihrer letzten Entwicklungsstufe ausreichend Leistung. Die Motoren der E-Serie leisteten mit ihrem Verdichtungsverhältnis von 10:1 beachtliche 330PS. Doch bereits späte Interceptor II erhielten Motoren mit einer geringeren Verdichtung von 8,7:1, um die Abgasrestriktionen in den Vereinigten Staaten zu erfüllen, was einen Leistungsverlust von etwa 10% zur Folge hatte. Später ersetzte man im Interceptor III aus diesem Grund den 383ci-Motor durch die größere 440ci-Maschine. Doch auch dieser konnte später das Leistungsgewicht seiner Vorgänger nicht mehr erreichen.

Der Exportmarkt öffnete sich mit dem Start der Interceptor II merklich, er spielte die entscheidende Rolle auf dem Weg des Interceptors zum internationalen Auto. Während vom Vorgänger noch 87% auf der Insel verkauft wurden, waren dies beim Interceptor II lediglich 56%. Mit Kjell Qvale an der Spitze bekamen die USA eine zentrale Rolle im Export von Jensen, die noch ausgebaut werden sollte. Aber auch der Markt auf dem europäischen Festland wuchs infolge der Präsentation von Fahrzeugen, die Carl Duerr vorangetrieben hatte. In Europa wurde ein Händlernetz errichtet und Australien wurde nach den USA der größte Exportmarkt.

Der Text basiert auf einem englischen Text von Richard Calver (Jensen History). Herzlichen Dank.
Quellen der Bilder: BMC Motor Classis, Meilenwerk Berlin