Abb.1: Das Heckfenster kam vom Jaguar XJ6
Das Jensen Coupé war das letzte Modell, das vor der Liquidierung der Firma 1976 vorgestellt wurde. Als besonders seltene Variante der Interceptorbaureihe ist es recht unbekannt und selbst viele Kenner haben nie eines gesehen. Der Prototyp wurde erstmals im Oktober 1975 auf der Earls Court Motorshow in London, dem letzten Messeauftritt der Marke, gezeigt. Das Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt bereits einen Monat unter Konkursverwaltung. Doch der Konkursverwalter hatte entschieden, dass Jensen versuchen sollte den Konkurs noch abzuwenden. So erhielt das Werk auf der Motor Show die Möglichkeit, seine neuen Modelle, das Coupé auf Basis des Interceptors sowie den GT auf dem Rahmen des Healey, vorstellen.

Alle vier Showfahrzeuge waren in blau lackiert und das präsentierte LHD Coupé erhielt als Farbe "Nevis Blue", eine der neuen Farben, welche die unübersichtliche alte Farbtabelle ablösten. Das Showcar hatte eckige hintere Seitenfenster sowie die aus heutiger Sicht etwas gewöhnungsbedürftige Plexiglasverkleidung, die sich quer durch das Dach durchzieht. Es hatte auch zwei andere Prototypen mit unterschiedlichen Aufbauten gegeben, die jeweils auf den Plexiglasstreifen verzichteten. Der eine hatte ebenfalls das rechteckige Seitenfenster, bei dem anderen wurde das Fenster des normalen
Abb.2: Jensen 2740/1858 im "half grille"-Look
Interceptor verwendet. Beide Prototypen sind noch heute auf der Straße, während das Showcar mit der Chassisnummer 1716 offensichtlich verschollen ist. Ein Coupé mit den normalen Interceptor Seitenfenstern wurde auch später von Jensen Parts & Service in den 1980er Jahren fertig gestellt.

Die Frage, warum Jensen überhaupt ein solches Coupé entwickelte, ist berechtigt, zumal angesichts der prekären finanziellen Lage. Den Anstoß dürfte Kjell Qvale, der amerikanische Besitzer der Firma, gegeben haben, der offensichtlich ein neues Modell für den amerikanischen Markt präsentieren wollte. Um wahrgenommen zu werden, musste man ein neues Auto anbieten und der Interceptor war mit dem Design, dessen Wurzeln noch in das Jahr 1966 zurückgehen, ein "altes" Auto. Die überlastete Entwicklungsabteilung hatte bereits angefangen die Produktion des Coupés vorzubereiten, als 1975 das Konkursverfahren eröffnet wurde. Panther Cars Ltd wurde beauftragt die speziellen Dächer zu entwickeln und zu fertigen und das, wie es bei Jensen in dieser kritischen Zeit üblich war, übereilt und ohne vorher die Zuverlässigkeit der Konstruktion zu überprüfen. Die Fahrzeuge mit dem Plexiglasstreifen im Dach hatten Probleme mit der Abdichtung und es gab einige Garantiefälle im regnerischen England zu bearbeiten.

Die Autos wurden auf der Produktionsstraße des Cabrios hergestellt. Je nach Kundenwunsch wurde dann entweder das Verdeck montiert oder der fast fertige Wagen kam zu Panther und erhielt dort das charakteristische Dach. Alle Autos bis auf die Prototypen wurden 1976 hergestellt und verkauft. Sie kosteten etwas mehr als der normale Interceptor Saloon und etwas weniger als das Cabrio. Sie waren also immer noch sehr teure Autos und so wurden in der noch dazu schwierigen Zeit der Konkursverwaltung nur etwa 46 Fahrzeuge gebaut. Diese Zahl ist etwas unsicher, da in diesen turbulenten Zeiten keine genauen Spezifikationen mehr festgehalten wurden, 20 davon waren Linkslenker. Die
Abb.3: Der Schriftzug am hinteren Kotflügel
Untergangsstimmung führte dazu, dass die Coupés wie auch die letzten anderen Fahrzeuge mit den Bauteilen gebaut wurden, die noch auf Lager waren, das Heckfenster wurde vom Jaguar XJ6 übernommen. Einige haben auch den "half grille" Look, bei dem für ein aggressiveres Aussehen jede zweite Strebe wegfiel. Allen gemeinsam ist der Chrysler 440ci-Motor der 5-Series (Modelljahr 1975). Diese entsprachen dem US-Emissionsstandard, wurden jedoch nicht mehr für den Heimatmarkt angepasst. Weitere Ausstattungsmerkmal sind neben dem Holzarmaturenbrett die doppelten Stoßstangen, ein weiteres Zugeständnis an den amerikanischen Markt.

Das Coupé ist auch aufgrund der durch den Konkurs sehr kurzen Produktionszeit das seltenste Fahrzeug der Nachkriegsära bei Jensen. So ist es ein echtes Sammlerauto und glücklicherweise scheint ein großer Teil noch heute zu existieren und erinnert an das (erste) Ende der Automobilproduktion in West Bromwich. Während des kurzen Revivals in den 1980er Jahren wurde ein weiteres Coupé hergestellt, das allerdings das Design mit dem normalen Interceptor-Seitenfenster erhielt.

Der Text basiert auf einem englischen Text von Richard Calver (Jensen History). Herzlichen Dank.
Quellen der Bilder: www.vintageweb.net (Abb.1), Richard Calver (Abb.2), mein Bild (Abb.3)