Das Jensen Interceptor Cabriolet ist möglicherweise das glamouröseste und prestigeträchtigste Auto unter den zahlreichen Varianten des Interceptor. Es zeigt den hohen Standard, den die Automarke Jensen über die Jahre erreicht hatte. Dank seiner eleganten Linien und der hohen Exklusivität hat es sein Renommee als Topmodell bis heute nicht eingebüßt.

Mit der Einstellung des Jensen FF im Laufe des Jahres 1971 suchte Kjell Qvale ein neues Topmodell für die Marke. Mit seinen Erfahrungen vom amerikanischen Automobilmarkt plädierte Qvale für ein Cabrio. Es sollte die Wünsche der
Abb.1: Jensen 2340/9894, auch geschlossen elegant
Kunden erfüllen und als großer Bruder des Jensen-Healey, der bereits in Entwicklung war, auch Geld in die Kassen spülen. Bereits bei den Originalzeichnungen, die Touring bei der Entwicklung im Jahr 1966 angefertigt hatte, waren einige Skizzen einer Cabriovariante dabei. Sie wurden hervorgeholt und von Qvale zusammen mit den Designern überarbeitet. Ein Interceptor-Prototyp, der seine Pflicht als Entwicklungsträger des LHD-Interceptor II getan hatte, wurde zum Prototypen des Cabriolets. Noch 1971, während die Ingenieuere unterd er Leitung von Kevin Beattie fieberhaft am Jensen Healey und dem für 1974 geplanten Interceptornachfolger F-Type arbeiteten, übernahm der Chef der Entwicklungsabteilung, Brian Spicer, die Aufgabe einen Prototypen zu bauen. Die Entwicklung kam anfangs langsam voran, doch 1973 schließlich waren die notwendigen strukturellen Modifikationen herausgearbeitet worden und die Entwicklung des Verdeckmechanismus war abgeschlossen. Die Verstärkungen am Chassis hielten sich in Grenzen, da bereits für den normalen Interceptor der Rahmen des C-V8 erheblich steifer ausgelegt worden war. Lediglich in den Bereichen der A-Säule und der Schweller waren Änderungen notwendig.

Der SP übernahm so lange die Rolle des Topmodells, bis das Cabrio schließlich vor dem unglücklichen Hintergrund der ersten Ölkrise am 22.März 1974 im Rahmen des Genfer Automobilsalons als Alternative zum erheblich teureren Rolls-Royce Corniche vorgestellt wurde. Ursprünglich war das Cabrio als "limited edition" von 750 bis 800 geplant, doch als die Folgen der Ölkrise deutlich wurden, war klar, dass die Produktionszahlen ohnehin niedrig bleiben würden. Doch Anfang 1975 stieg mit dem zurückgewonnenen Verbrauchervertrauen die Produktion auf ungeahnte Höhen. Nun wurde mit einer Produktion von fünf Autos pro Woche geplant, womit das Cabrio ein
Abb.2: 2310/1617 mit dem Holzarmaturenbrett
Drittel aller Interceptormodelle ausmachte. Insgesamt jedoch wurde das von Qvale angepeilte Produktionsziel nie erreicht: Wie schon beim FF hatte man die Marktlage zu optimistisch eingeschätzt. Als die Tore der Fabrik im Mai 1976 zum ersten mal schlossen, hatten insgesamt 507 Cabriolets das Werk verlassen. Dazu kommen noch ein paar Exemplare, die Jensen Parts & Service während des Revivals in den achtziger Jahren herstellte.

Das Interceptor Cabriolet ist zweifelsohne ein herausragendes Auto, das mit seinen schlanken Linien zu gefallen weiß. Die Ausstattung war mit dem von innen verstellbaren Außenspiegel, elektrischen Fensterhebern und einem elektrischen Verdeck auf der Höhe der Zeit. Auch der Tankdeckel sowie der Kofferraum werden über Schalter im Innenraum geöffnet. Einziger Kritikpunkt war der fehlende Platz zum Verstauen des Verdecks. Es wird einfach hinter die Rücksitze gefaltet und dort von einer Persenning abgedeckt. Während der Produktionszeit erhielt der Interceptor die gleichen Modifikationen wie der Interceptor III Saloon. So wurde ab 1975 das überarbeitete Armaturenbrett montiert. Es sollte mit seinen Holzapplikationen ein edleres Ambiente schaffen. Insgesamt war der Interceptor neben dem Coupé das Auto, das am meisten auf den amerikanischen Markt zugeschnitten war. Das zeigt auch die Tatsache, dass der Anteil der Linkslenker recht hoch ist: Gut 80% der Fahrzeuge verließen das Werk mit dem Steuer auf der linken Seite.

Mehr noch als die geschlossenen Wagen, war der Interceptor Convertible auch bei Prominenten begehrt. Cher Bono, Quinn Martin, Lynda Carter, John Bonham und Winthrop P. Rockefeller gehörten zu den Käufern. Die späteren Fahrzeuge von Jensen Parts & Service
Abb.3: Ein Cabrio mit der späten US-Stoßstange
gingen mehrheitlich zu den Königshäusern des Mittleren Ostens. Das bekannteste Fahrzeug ist wohl das von Frank Sinatra, er bekam ein vollkommen schwarzes Exemplar geliefert. Als Traumwagen wurde das Interceptor Cabriolet auch in Filmen und Fernsehserien eingesetzt. Dazu gehören unter anderem "Gone in 60 Seconds II" sowie "Miami Vice".

Heute ist der Jensen Interceptor Convertible das wohl begehrteste Auto der Marke Jensen. Seine Exklusivität und die zeitlose Eleganz haben dazu geführt, dass er nicht der problematischen Marktlage der normalen Interceptor Modelle unterliegt. Hervorragende Exemplare erreichen Marktpreise bis zu EUR 100.000 und selbst Restaurationsobjekte kosten mit EUR 10.000 mehr als ein Interceptor III in durchschnittlichem Zustand. Die meisten Fahrzeuge sind auf dem amerikansichen Markt erhältlich, auch wenn einige Wagen bereits den Weg zurück nach Europa gefunden haben.

Der Text basiert auf einem englischen Text von Richard Calver (Jensen History). Herzlichen Dank.
Quellen der Bilder: www.almereclassiccars.nl (Abb.1), www.interceptor.org (Abb.2), www.users.bigpond.com/tfmuch/ (Abb.3)